Leseproben

Welt am Sonntag: Mallorca

Warum der Ballermann einfach nicht tot zu kriegen ist

„Ba-Ba-Ballamann” sang die Erste Allgemeine Verunsicherung aus Österreich. „Mein Herz liegt noch am Ballermann“, schmachtete Schlagerstar Wolfgang Petry. „Der Ballermann ist tot“ schrieb die WELT. Was denn nun? „Ba“ wie „Bäh“, Sehnsuchtsort oder tot?

Das hängt davon ab, wen man fragt. Die einen lieben ihn, die anderen hassen ihn, und manchem ist er völlig egal. Aber eines steht fest: Der Ballermann ist eine Sensation, ein Touristenmagnet und das bekannteste Markenzeichen Mallorcas. Unter Deutschen so geläufig wie das Oktoberfest in München oder die Hamburger Reeperbahn.


Dazu könnte man Mallorca gratulieren. Andere Urlaubsziele würden viel Geld bezahlen (und tun das tatsächlich), um nur einen halb so hohen Wiedererkennungswert zu erlangen. „Du warst auf Mallorca?“, wird der Heimkehrer gefragt. Und dann folgt als Nächstes: „Auch am Ballermann?“ ...

SonntagsZeitung (Zürich): Asiens Superstädte

Singapur und Bangkok sind die beiden beliebtesten Metropolen Asiens – und doch könnten die zwei Städte kaum unterschiedlicher sein. 

Bei den besten Bars der Welt hat Bangkok knapp die Nase vorn. In der aktuellen globalen Rangliste  rangiert der erst vor zwei Jahren eröffnete BKK Social Club im Four Seasons Hotel auf dem 13. Platz. Der Club ist zugleich die beste Bar in ganz Asien. Nur einen Platz dahinter folgt aber schon Singapur: mit Jigger & Pony, wo die junge Thekenmannschaft so unbescheiden benannte Drinks serviert wie «Greatest Of All Time», gemixt aus japanischem Whisky, Zitrone, Eischnee – und lokal erzeugter Ziegenmilch. Man hatte gar nicht gewusst, dass in dem südostasiatischen Stadtstaat noch Ziegen gehalten werden! Der ungewöhnliche Cocktail schmeckt erstaunlich gut. Erst dank einem Hinweis des Barmanns verstehen wir auch den selbstbewussten Namen, «Greatest Of All Time»: Die Anfangsbuchstaben ergeben «Goat», das englische Wort für Ziege.
 

Nun ist ein guter Drink vermutlich nur für wenige Leute ein ausreichender Grund, sich für zwölf Stunden in den Flieger nach Fernost zu setzen. Doch nicht allein mit ihren Bars haben sich Bangkok und Singapur als Touristenziele in den letzten Jahren weit nach vorn gearbeitet...


Welt am Sonntag: Nordpazifik-Kreuzfahrt

Bei dieser Tour schütteln sich die Cocktails selbst

Der einsamste Ort an Bord wird in den kommenden Tagen die Poolbar auf Deck acht sein, stoisch bewacht von einem philippinischen Kellner mit Wollmütze und Handschuhen. Die Route des Schiffs ist nichts für Sonnenhungrige.


Sie führt vom kanadischen Vancouver durch die kalte Inselwelt Alaskas, vorbei an rauchenden Vulkanen und Gletschern, von denen Eisblöcke abbrechen und ins Meer stürzen. Über die abgelegenen Aleuten und durch die eisgraue Beringsee geht es bis nach Kamtschatka und Japan.


Es ist eines der am wenigsten befahrenen und rauesten Kreuzfahrtreviere der Welt. Peitschende Winde, fliegende Gläser und Teller erwarten die 375 Passagiere der „Silver Shadow“, unter ihnen 18 Deutsche. Und ein Seegang, der den 28.000 Tonnen schweren Luxuskreuzer bocken lässt wie einen jungen Stier. Nur wenige wird die Seekrankheit verschonen.


Jeden Sommer kreuzt der Dampfer vor Westkanada und Alaska, durchquert die Fjorde der sogenannten Inside Passage, die das nordamerikanische Festland vom Golf von Alaska trennt. Im Herbst aber überführt die Reederei ihr Schiff wie einen Zugvogel, der vor der Winterkälte flieht, zur anderen Pazifikseite ins tropisch warme Asien. Im Frühjahr geht es wieder zurück ...

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Welt am Sonntag: Tokyo Station

Im Labyrinth des Hauptbahnhofs von Tokio 

Der Kontrast zwischen außen und innen könnte, wie es vielleicht typisch ist für Japan, kaum größer sein. Kein Schild mit dem Wort Bahnhof, weder in der Landessprache, noch auf Englisch, ziert die dreistöckige Backsteinfassade von Tokios Hauptbahnhof. Auch kein Logo der East Japan Railway Company oder wenigstens eine Bahnhofsuhr. Alles konzentriert sich auf die Architektur im westlichen neobarocken Stil, vor mehr als einem Jahrhundert entworfen.


Erst wenn man sich dem geschlossenen Haupttor nähert, das für den wichtigsten Fahrgast des Landes reserviert ist, den Kaiser, entdeckt man drei kleine Zeichen in Kanji-Schrift auf einem flachen Stein: Tokio Eki – Tokio Bahnhof. Doch kaum tritt man hinein, entfällt alle Zurückhaltung. Plötzlich sieht man sich einer Flut an Schildern und Hinweisen ausgesetzt. 


Dies sind die Aufschriften eines einzigen Wegweisers nach dem Durchgang in die fahrkartenpflichtige Zone: GRANSTA Underground North Exit (IC Card only), Gin-no suzu Waiting Area, Square Zero Waiting Area, Coin Lockers, Parcel Storage, Yaesu Underground Central Exit, Shinkansen, Keiyo-Line (for Maihama) via 1F Concourse. Man liest von links nach rechts, ist verwirrt, liest aufs Neue – und bekommt einen Schreck. So viele Möglichkeiten, so viele Orte. Das Erstaunlichste aber ist: Alle Pfeile zielen nur in eine Richtung, geradeaus.

FAZ: Alaska

Darauf einen „Son of Berserker“!

So viel Verkehr hatten wir auf dem Flughafen von Anchorage nicht erwartet, hier oben am Ende der bewohnten Welt. Im milden Licht eines bewölkten Junitages rangieren vor den beiden Terminalgebäuden nicht weniger als fünfzehn Jumbos von Cathay Pacific, Korean Air, Asiana oder China Eastern. Bei näherem Hinsehen erkennen wir, dass es alles Frachtmaschinen sind. Wegen seiner günstigen Lage zwischen Asien und Nordamerika ist Anchorage zu einem der wichtigsten Drehkreuze im weltweiten Gütertransport geworden.

Viel geflogen wird auch im Personenverkehr. Alaska ist riesig, und oft haben die Orte keinen Straßenanschluss, dafür aber eine kleine Landebahn. Die Hauptstadt Juneau zum Beispiel, im Südosten an der Grenze zu Kanada gelegen, ist nur per Flugzeug oder Schiff zu erreichen. Und dort, wo keine Landebahn ist, da ist vielleicht ein See, so wie Lake Hood im Westen von Anchorage, der als größter Wasserflughafen der Welt gilt. Im Minutentakt gehen abends die Propellermaschinen vor einem atemraubenden Bergpanorama nieder. Gischt spritzt auf, Wellen schwappen ans Ufer, die Maschinen tuckern auf ihren Schwimmern zu einem Holzsteg. Man kann sich die Kleinflugzeuge, unter denen auch mancher Oldtimer ist, aus nächster Nähe anschauen und mit den Piloten plaudern. Es gibt keine Absperrungen. In Alaska nimmt man die Dinge gelassen, die Leidenschaft fürs Fliegen wird gern geteilt. Jeder sechste Einwohner soll über eine Fluglizenz verfügen. Sie kann übrigens schon mit sechzehn Jahren erworben werden.

Das Beste an Anchorage sei, dass dahinter Alaska beginne, sagen viele Amerikaner. Und auch deutsche Touristen, die die Stadt als Startpunkt in die Welt der Gletscher, Fjorde und Berge nutzen, lassen sie meist so schnell wie möglich hinter sich, nicht ahnend, was sie verpassen. Das Fremdenverkehrsamt von Anchorage gibt sich alle Mühe, dieser Unwissenheit entgegenzuwirken, und beantwortet auf seiner Website häufig gestellte Fragen. Die Auswahl scheint nicht ganz glücklich, ist aber immerhin ehrlich: „Wie schlimm sind die Mücken?“ „Gibt es Iglus?“ „Kann man die Nordlichter sehen?“ „Ist die Stadt wirklich weit, weit weg?“ ...

Spiegel Online: Kreuzflug

Im Privatjet um die Welt

Flugkapitän Gregor Schweizer ist geborener Basler und kein Mann vieler Worte. Seine Ansprache vor dem Start im japanischen Osaka beschränkt sich auf die Mitteilung: "Liebe Gäste, guten Flug!" Mehr ist in der Tat nicht zu sagen. Die 30 Passagiere kennen die Sicherheitshinweise. Sie kennen die geplante Route und auch die Getränkeauswahl an Bord. Sie sitzen nicht zum ersten Mal auf Platz 3A oder 10F, sondern haben zu diesem Zeitpunkt schon fünf von elf Flügen in diesem Privatjet hinter sich. Die Eckdaten der Tour: sieben Länder, vier Kontinente, 39.700 zurückgelegte Kilometer in 19 Tagen. Von der "Sansibar" auf Sylt bis nach Sansibar vor Afrika, mit Zwischenstopps in New York, Kanada, Alaska, Japan, Palau und Vietnam. 


Man muss sich die Reise wie eine Kreuzfahrt vorstellen. Nur nicht mit einem Schiff auf dem Wasser, sondern mit einer gecharterten Boeing 737 durch die Luft. Deshalb nennt der Veranstalter, in diesem Fall das Hamburger Unternehmen Hapag-Lloyd Kreuzfahrten, die Reise auch "Kreuzflug".


Kreuzflüge werden seit Mitte der Achtzigerjahre angeboten. Wenn man die Rund-um-die-Welt-Tickets der Linienfluggesellschaften dazurechnet, gibt es die Reiseform noch länger. Damals fragten sich Touristikfirmen, wie sie ihre Flugzeuge auch in den wenig frequentierten Wintermonaten nutzen könnten. 

Der Veranstalter Consul Weltreisen ließ 1986 den ersten Kreuzflug nach Asien abheben. 58 Passagiere flogen mit. Auch Hapag-Lloyd ist mit einer Unterbrechung von 2000 bis 2007 seit fast 30 Jahren dabei; der Privatjet, der von einer Schweizer Firma gemietet wird, ist auf den Namen des ehemaligen Hapag-Generaldirektors Albert Ballin getauft. Ein dritter Anbieter ist Windrose.


Die Gästeschar entspricht der eines Luxusdampfers: mehrheitlich jenseits der Pensionsgrenze und sehr gut betucht: Der Tagespreis eines Kreuzflugs beträgt mindestens das Dreifache einer Luxusschiffsreise. Abzuwägen sind auch die ökologischen Kosten: Sind nicht schon genug Flieger in der Luft? 

Diese Fragen plagen die Passagiere nicht ...

Copyright Frank Rumpf
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